Die brutale Verfolgung von Einwanderern und politischen Gegnern durch die Trump-Regierung, ihr aggressiver „America first“-Militarismus und ihr Bestreben, eine Diktatur zu errichten, stößt in ganz Europa und auch in Dänemark auf Widerstand.
Große Teile der dänischen Bevölkerung sind besonders erbost über Trumps wiederholte Drohungen, Grönland zu besetzen, ein autonomes Gebiet innerhalb des Königreichs Dänemark. Trump hat deutlich gemacht, dass er die Kontrolle über die größte Insel der Welt im Rahmen seiner Agenda anstrebt, die westliche Hemisphäre zu beherrschen und sich auf einen Weltkrieg mit China und anderen Rivalen der USA vorzubereiten.
Dänemarks pseudolinke Organisationen, die Einheitsliste, im Englischen als Red-Green Alliance (RGA) bekannt, und die Sozialistische Volkspartei (SF), arbeiten mit Hochdruck daran, sicherzustellen, dass der Widerstand gegen imperialistische Aggression in Unterstützung für den dänischen und europäischen Militarismus umgelenkt wird. Die SF unterstützt offen das Aufrüstungsprogramm der dänischen Regierung, das bis 2030 vorsieht, 3,5 Prozent des BIP für Krieg auszugeben, und das mit einer erweiterten militärischen Präsenz in der Arktis einhergeht.
Die RGA versucht ihrerseits, eine radikalere Haltung einzunehmen, um linksgerichtete Arbeiter und junge Menschen einzufangen. Sie unterstützen ein Programm, das darauf abzielt, nach dem Zusammenbruch des jahrzehntelangen Bündnisses mit den Vereinigten Staaten neue imperialistische Schutzherren für dänische kapitalistische Interessen zu finden.
Die dänische Regierung hatte versucht, mit Trump eine Vereinbarung auf der Grundlage einer erheblichen Verstärkung der NATO-Militärpräsenz in Grönland und der gesamten Arktis auszuhandeln. Als Reaktion darauf erklärte RGA-Chef Pelle Dragsted im Januar: „Dies gilt sowohl zwischen Dänemark und Grönland als auch unter den Parteien hier in Christiansborg [dem dänischen Parlamentsgebäude]. Es ist eine sehr ernste Situation, und daher ist es wichtig, dass wir alle die Regierung unterstützen.“
Unterstützung für den europäischen Imperialismus
Die von den Sozialdemokraten geführte dänische Regierung hat Washingtons Vernichtungskrieg gegen den Iran befürwortet. Die Unterstützung der RGA für diese Regierung im Konflikt um Grönland und die Arktis ist wesentlich eine rückhaltlose Befürwortung des europäischen Imperialismus gegen die USA. Dies wurde in einer im Januar veröffentlichten Erklärung der Socialist Workers Party (SAP) deutlich, einer Fraktion innerhalb der RGA, die mit dem pablistischen Vereinigten Sekretariat verbunden ist. Unter dem Titel „Verteidigt Grönland gegen den Überfall der USA – ohne Illusionen in das Königreich Dänemark und die EU“ nimmt die Erklärung eine vordergründig „linkere“ Position ein als die RGA-Führung, rechtfertigt aber letztendlich Europas Aufrüstungskurs.
Die SAP beginnt ihre Erklärung mit der Feststellung:
Das Trump-Regime führt nach wie vor eine heftige Offensive für eine imperialistische Übernahme Grönlands durch die USA. Alle Mittel wurden eingesetzt: politische, wirtschaftliche und sogar militärische Drohungen. In dieser Situation hat sich die grönländische Selbstverwaltung, das vereinigte Inatsisartut [grönländisches Parlament], verständlicherweise dafür entschieden, Zuflucht in einem taktischen Bündnis mit der ehemaligen Kolonialmacht (Dänemark), der EU und den europäischen NATO-Ländern zu suchen. Im besten Fall kann dieses Bündnis Trumps Pläne, hier und jetzt formell die Macht in Grönland zu übernehmen, stoppen. Allerdings sind weder die Machthaber in Dänemark noch die EU verlässliche Verfechter des Selbstbestimmungsrechts des grönländischen Volkes – ganz im Gegenteil!
Nachdem die SAP den NATO-Aufbau in der Arktis als „durchaus verständliche“ Reaktion der grönländischen Regierung legitimiert, die sich offenbar freiwillig „entschieden hat, Zuflucht in einem taktischen Bündnis mit der ehemaligen Kolonialmacht zu suchen“, führt sie ihre Befürwortung einer europäischen imperialistischen Präsenz weiter aus:
Es ist klar, dass es derzeit darum geht, eine möglichst starke Front gegen Trumps Drohungen zu bilden, für die Achtung der Grenzen Grönlands und das Selbstbestimmungsrecht des grönländischen Volkes.
Und natürlich liegt es ganz bei den Grönländern zu entscheiden, was sie hier und jetzt letztendlich bereit sind zu akzeptieren, um eine Verhandlungslösung zu erreichen – in einer Situation, in der sie mit überwältigenden Drohungen seitens der USA und falschen Versprechungen von allen Seiten konfrontiert sind.
Das bedeutet jedoch nicht, dass wir, einschließlich der Red-Green Alliance, eine „Lösung“ bejubeln sollten, die im Wesentlichen imperialistische Interessen zementiert – weder die der USA noch die Dänemarks und der EU.
Diese Kommentare sind sowohl eine Verfälschung der gegenwärtigen politischen Lage als auch eine vernichtende Entlarvung der Feindseligkeit der SAP und der RGA gegenüber der Arbeiterklasse in Dänemark, Europa und international, die eine unabhängige Rolle im politischen Leben spielt.
Erstens kann niemand ernsthaft behaupten, dass die grönländische Regierung die Freiheit habe, freiwillig irgendetwas zu „entscheiden“. Sie lebt von einem jährlichen Globalzuschuss von 500 Millionen Euro, den die dänische Regierung für eine Bevölkerung von rund 57.000 Menschen bereitstellt. Die dänische Regierung sah sich selbst im Januar weitgehend ins Abseits gedrängt, als Trump und NATO-Generalsekretär Mark Rutte sich beim Weltwirtschaftsforum in Davos trafen, um eine Vereinbarung zur Ausweitung der Präsenz des amerikanischen und europäischen Imperialismus in der Arktis auszuhandeln. Den Eindruck zu erwecken, dass hier demokratische Entscheidungsprozesse im Spiel seien, hieße, eine Rechtfertigung für eine Weltordnung zu liefern, die durch zunehmende Gesetzlosigkeit und Gewalt gekennzeichnet ist.
Zweitens: Die Behauptung, die dringendste Aufgabe bestehe darin, „eine möglichst starke Front gegen Trumps Drohungen zu bilden, für die Achtung der Grenzen Grönlands und das Selbstbestimmungsrecht des grönländischen Volkes“, zusammen mit der Behauptung, „dieses Bündnis“ (zwischen Dänemark, den europäischen Imperialisten und der grönländischen Regierung) könne Trumps Pläne, die Macht in Grönland zu übernehmen, „hier und jetzt stoppen“, bedeutet, dass man die europäischen Imperialisten in den rosigsten Farben darstellt.
Die Erklärung der SAP versucht, dies mit korrekten Feststellungen zu verschleiern, indem sie darauf hinweist, dass die europäischen Imperialisten ebenso räuberische Interessen in der Arktis haben wie ihre US-Rivalen. Es geht um die Kontrolle über riesige unerschlossene Energieressourcen und über Handelswege, die den transkontinentalen Seeverkehr erheblich verkürzen könnten, sowie strategisch wichtige Positionen zur Erkennung ballistischer Raketen und zur Satellitenüberwachung rivalisierender Mächte. Doch die Ausführungen der SAP sind wertlos, da die Organisation im gleichen Atemzug Bündnisse mit genau diesen Imperialisten im „Hier und Jetzt“ rechtfertigt.
Die SAP-Erklärung enthält keinerlei Hinweis darauf, dass die Arbeiterklasse für das Schicksal Grönlands eine Rolle zu spielen hat, wie auch in der weltweiten kapitalistischen Krise, die sich im imperialistischen Krieg und im Zusammenbruch der NATO zeigt. Die Erklärung wurde im Januar verfasst, als sich der Massenwiderstand gegen Trumps Bestrebungen, in den USA eine Diktatur zu errichten, in Form von Aufrufen zum Generalstreik in Minneapolis gegen die kaltblütigen Morde seiner faschistischen Schläger von der Einwanderungs- und Zollbehörde (ICE) manifestierte. Auch findet sich in der Erklärung kein Wort über die Eskalation des Klassenkampfs in Südeuropa, so in Frankreich in den großen Protesten und Streiks gegen Macrons Spar- und Kriegspolitik im September, in Griechenland oder auch in Italien, wo es mehrfach zum millionenstarken Generalstreik kam. Keinerlei Erwähnung fanden auch die Massenproteste gegen den Völkermord und Krieg im Gazastreifen.
Dies ist nicht einfach ein Versehen seitens der SAP, sondern das Spiegelbild ihrer pablistischen, antisozialistischen Politik. Für sie besteht das „Hier und Jetzt“ aus unbesiegbaren imperialistischen Mächten, die um eine Vormachtstellung konkurrieren. Das Einzige, was die „Linke“ tun kann, ist, durch Proteste Druck auszuüben, um die Imperialisten dazu zu bewegen, ihre Politik zu mäßigen, oder eine Gruppe imperialistischer Gangster gegen die andere zu unterstützen. Der Kampf um die internationale Vereinigung von Arbeitenden in den Vereinigten Staaten und Europa gegen den imperialistischen Krieg und die Finanzoligarchie, die das soziale und politische Leben auf beiden Seiten des Atlantiks beherrscht, kommt in ihrem Vokabular nicht vor.
Die SAP und die RGA als Ganzes sind Vertreter einer pseudolinken Politik. Sie sprechen im Namen eines privilegierten Teils der Mittelschicht, der bezüglich des Einkommens und Vermögens zu den obersten 10 Prozent der Gesellschaft gehört. Ihre relativ komfortable soziale Position ist untrennbar mit der Verteidigung kapitalistischer Eigentumsverhältnisse verbunden. Ihre „linken“ Argumente spiegeln den Wunsch wider, eine bescheidene Umverteilung von Reichtum und Macht innerhalb der obersten 10 Prozent der Gesellschaft zugunsten von Gewerkschaftsbürokraten, gutbezahlten Akademikern und anderen kleinbürgerlichen Kräften herbeizuführen.
Pablismus und die RGA
Die Erklärung der SAP zu Grönland ist ein typisches Beispiel für die pablistische Politik, die in den frühen 1950er Jahren als direkte Abkehr vom orthodoxen Trotzkismus entstand. Als Reaktion auf die vorübergehende Stabilisierung des Kapitalismus nach dem Zweiten Weltkrieg reagierten die Pablisten impressionistisch und vom Standpunkt der Kleinbourgeoisie aus. Die Arbeiterklasse als zentrale revolutionäre Kraft in der kapitalistischen Gesellschaft hatten sie abgeschrieben. Stattdessen argumentierten sie, dass Teile der stalinistischen Bürokratie, die Gewerkschaftsbürokratien in den fortgeschrittenen kapitalistischen Ländern und bürgerlich-nationalistische Kräfte in der kolonialen Welt als Ersatz für die Arbeiterklasse dienen könnten, um die Gesellschaft zu transformieren. Da die Arbeiterklasse ihrer Ansicht nach keine eigenständige Rolle mehr zu spielen habe, befürworteten sie die Auflösung der Sektionen der Vierten Internationale in der jeweiligen „Massenbewegung“.
Der Pablismus sprach für ein rasch wachsendes Kleinbürgertum, das nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem Ausbau des Wohlfahrtsstaates, der Universitäten sowie internationaler Institutionen und NGOs verbunden war. Sie glaubten, dass die vorübergehenden Zugeständnisse, die die revolutionär gesinnte Arbeiterklasse nach Kriegsende der herrschenden Klasse ganz Europas abgerungen hatte, eine „neue Realität“ herbeigefügt hätten, und dass dies jeden von der Arbeiterklasse mit sozialistischen Zielen geführten Klassenkampf überflüssig machen würde.
In Dänemark hatte die pablistische Politik verheerende Auswirkungen. Dänemark ist eins der nordischen Länder, die in der Nachkriegszeit besonders weitreichende soziale Reformen durchführten. Die Anhänger der Vierten Internationale, die der von Michel Pablo und Ernest Mandel entwickelten liquidatorischen Linie folgten, schlossen sich vollständig einer rechten Abspaltung von der Kommunistischen Partei, der Sozialistischen Volkspartei (SF) an. Sie taten dies sogar noch nach der Niederschlagung der ungarischen Revolution von 1956 durch die Sowjetunion.
Unter Führung von Aksel Larsen, einem langjährigen Stalinisten, gründeten diejenigen, die aus der Kommunistischen Partei Dänemarks ausgetreten waren, 1958 die SF. Larsen war während der Moskauer Prozesse und des Großen Terrors Ende der 1930er Jahre – in deren Verlauf die stalinistische Bürokratie Hunderttausende Trotzkisten, alte Bolschewiki und andere Oppositionelle ermordet hatte – Vorsitzender der Kommunistischen Partei gewesen. Auf die brutale Niederschlagung der ungarischen Revolution reagierte er mit der Behauptung, er vertrete einen Mittelweg zwischen der Sowjetunion und dem US-Imperialismus, ohne sich einem der beiden unterzuordnen.
Die Realität sah ganz anders aus. Wie alle rechten Abspaltungen vom Stalinismus in dieser Zeit behielt die SF die erbitterte Feindseligkeit der Stalinisten gegenüber der unabhängigen politischen Rolle der Arbeiterklasse bei. Rasch passte sie sich dem amerikanischen Imperialismus an. Weniger als ein Jahrzehnt nach ihrer Gründung erklärte sich die SF bereit, eine sozialdemokratische Regierung zu unterstützen. In der Nachkriegszeit waren die Sozialdemokraten glühende Verfechter der dänischen NATO-Mitgliedschaft und des Kalten-Kriegs-Bündnisses mit Washington. Dies ging so weit, dem US-Militär zu gestatten, Grönland als Testgelände für Waffen und sogar als Lagerstätte für Atomwaffen zu nutzen. Die SF hat bis heute wiederholt die Funktion übernommen, den Sozialdemokraten zur Sicherung einer parlamentarischen Mehrheit zu verhelfen, und scheint dies nach den Parlamentswahlen im März erneut zu tun.
Eine Abspaltung der SF, die sich gegen eine Zusammenarbeit mit den Sozialdemokraten aussprach, und zu der die dänischen Pablisten sowie verschiedene Strömungen der „Neuen Linken“ gehörten, entstand 1967 unter dem Namen „Linke Sozialisten“ (VS). Erst 1980 gründeten die Pablisten die SAP.
Die zentrale politische Konstante für die Pabloisten während all dieser organisatorischen Umbrüche war die Blockade eines revolutionären sozialistischen Programms für die Arbeiterklasse. Dies zeigte sich bei der Gründung der RGA im Jahr 1989, die ursprünglich als Wahlbündnis zwischen der SAP, den Überresten der stalinistischen DKP und der VS konzipiert war, um eine Vertretung im dänischen Parlament (Folketing) zu sichern, wofür Parteien oder Wahlbündnisse mehr als 2 Prozent der nationalen Stimmen erreichen müssen. Obwohl sich die RGA anschließend als politische Partei, der Mitglieder beitreten konnten, konstituierte, behielten die Gründungsfraktionen ihre organisatorische Autonomie innerhalb der RGA bei, wie es die SAP bis heute tut.
Die SAP arbeitet mit den Stalinisten der DKP zusammen und behauptet, eine „revolutionäre Umgruppierung“ innerhalb der RGA anzustreben, von der die SAP offen zugibt, dass sie keine sozialistische Partei ist. In einer Perspektivresolution von 1999 erklärte die SAP:
Die Red-Green Alliance ist keine revolutionäre Partei im klassischen leninistischen Sinne (basierend auf demokratischem Zentralismus, mit einem ausgearbeiteten Programm für eine sozialistische Revolution usw.), und wir halten es nicht für wünschenswert, eine Entwicklung in diese Richtung zu erzwingen. Weder die subjektiven noch die objektiven Voraussetzungen für eine solche Entwicklung sind derzeit gegeben.
Weiter heißt es in dem Dokument:
In dieser Entwicklungsphase der Red-Green Alliance können wir lediglich feststellen, dass es keine vorgegebene Grenze dafür gibt, wie weit sich die Red-Green Alliance zu einer tatsächlich revolutionären Partei entwickeln könnte. Die Arbeit der SAP innerhalb der Red-Green Alliance orientiert sich jedoch genau an einer solchen Politik.
Was die Geschichte der RGA in Wirklichkeit gezeigt hat, ist die Tatsache, dass es „keine vorgegebene Grenze“ dafür gibt, wie weit sie sich in die bürgerliche, proimperialistische Politik integrieren kann, und keine Grenze dafür, wie weit die Pablisten bereit sind, in diesem Prozess mit ihrer „linken“ und revolutionär klingenden Rhetorik mitzumachen.
Ab 2011 trug die RGA dazu bei, eine Mehrheit für die rechtsgerichtete sozialdemokratische Regierung unter Helle Thorning-Schmidt zu sichern, die nach der Wirtschaftskrise von 2008 Angriffe auf die Arbeiter durchführte. Im Jahr 2014 schloss sich die RGA der Regierung an und unterstützte die dänische Zustimmung zur Bombardierung Syriens. Damals bombardierte der US-Imperialismus im Rahmen seiner Operation zum „Regimewechsel“ die Stellungen des Islamischen Staates, um in Damaskus eine pro-westliche Marionette an die Macht zu bringen. Nach der von den USA provozierten Invasion Russlands in der Ukraine im Jahr 2022 trat die RGA als Verfechterin des US-NATO-Krieges auf, den sie beschönigend als Kampf für die „Selbstbestimmung“ der Ukraine darstellte.
Die RGA und die Verteidigung des „dänischen Königreichs“
Nach dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs vollzog die RGA eine scharfe Rechtswende. Diese gipfelte auf ihrem nationalen Parteitag 2025 in der Anerkennung der Notwendigkeit, die bestehenden Grenzen des Königreichs Dänemark zu verteidigen, was eine Abkehr von der formellen Ablehnung von Militarismus und Krieg durch die Partei markierte. Zum Königreich gehören Grönland, die größte Insel der Welt in der Arktis, und die Färöer-Inseln im Nordatlantik, die eine strategisch wichtige Lage nördlich von Großbritannien und südöstlich von Island einnehmen und den Zugang der russischen Marine zum offenen Meer kontrollieren.
Während das vorherige Programm der RGA sie nicht davon abhielt, von den USA angeführte imperialistische Angriffskriege zu befürworten, ging es beim Kongress von 2025 und den Debatten, die ihm vorausgingen, um eine deutlich artikulierte Befürwortung europäischer imperialistischer Aggression. In einem Dokument, das die Debatte in der RGA über „Verteidigungs“- und Sicherheitspolitik zusammenfasste und Schlussfolgerungen zog, schrieb der Parteivorstand im Jahr 2024:
Die RGA entstand in einer Zeit, die vom Ende des Kalten Krieges geprägt war, in der die Hoffnung auf ein friedliches Zusammenleben zwischen Ost und West vorherrschte. Es war eine Zeit, in der die meisten den Frieden in Europa für selbstverständlich hielten und davon ausgingen, dass wir in Europa nie wieder Krieg erleben würden. Dass dies eine Illusion war, wurde vor zwei Jahren deutlich, als Russland die Ukraine angriff.
Die pseudolinken Kräfte in der RGA ignorieren offenbar die Tatsache, dass die 30 Jahre ununterbrochenen US-Angriffskriege, fast immer unterstützt durch die europäischen Imperialisten, einen Einfluss auf die gegenwärtige Weltlage haben. Denn Angriffs- und Plünderungskriege sind für politische Kräfte wie die RGA durchaus in Ordnung, solange sie den Interessen der imperialistischen Mächte dienen, mit denen sie verbündet sind. Aufschlussreich ist, wie die RGA seit dem Ausbruch des US-NATO-Kriegs gegen Russland ihre traditionelle Opposition gegen die NATO aufgegeben hat. Anstatt den sofortigen Austritt Dänemarks zu fordern, erklärt die Partei heute, dass der Austritt zwar ein Endziel sei, aber dass zunächst „alternative Sicherheitsstrukturen“ geschaffen werden müssten.
Diese „alternativen Strukturen“ basieren auf einer aggressiveren Durchsetzung europäischer imperialistischer Interessen, unabhängig von den USA und, falls nötig, gegen sie. Dies wird durch die Erklärung der SAP unterstrichen, in der behauptet wird, dass die grönländische Regierung freiwillig „entscheiden“ könne, eine massive Ausweitung der europäischen Streitkräfte in der Arktis zu genehmigen, und dass diese Streitkräfte zumindest kurzfristig als wirksames Gegengewicht zu Trumps Drohungen fungieren könnten.
Auf dem Landesparteitag 2025 nahm eine deutliche Mehrheit der Delegierten den Vorschlag des Vorstands zur „Verteidigungs“- und Sicherheitspolitik an. Unter Verwendung derselben Sprache, mit der europäische imperialistische Mächte wie Deutschland eine massive Aufrüstung rechtfertigen, erklärte das Dokument, dass politische Veränderungen für eine „neue Ära“ notwendig seien. Weiter heißt es dort: „Um auf eigenen Beinen stehen zu können, müssen wir unsere Verteidigungsfähigkeiten durch eine wirksame Territorialverteidigung stärken, die in der Lage sein muss, die Souveränität Dänemarks und des Dänischen Reichs durchzusetzen und die Bevölkerung sowie unsere Infrastruktur zu schützen.“
Die SAP-Fraktion der RGA stimmte auf dem Kongress formell gegen diese Änderung. Der Scheincharakter einer solchen Haltung wird jedoch durch ihre Grönland-Erklärung unterstrichen, die den europäischen Imperialismus als eine im „Hier und Jetzt“ fortschrittlichere Alternative zu den USA darstellt.
Die volle Tragweite der Befürwortung des dänischen und europäischen Militarismus durch die RGA zeigt sich heute, da die europäischen Imperialisten Trumps kriminellen Vernichtungskrieg gegen den Iran unterstützen. Besonders drastisch hat dies Bundeskanzler Friedrich Merz ausgesprochen, als er sagte, dass die Grundsätze des Völkerrechts bei der Beurteilung des Konflikts im Grunde irrelevant seien.
Was die dänische Regierung betrifft, die laut RGA wegen Grönland bedingungslose Unterstützung verdiene, weil sie das Recht der Grönländer auf „Selbstbestimmung“ und das „Völkerrecht“ verteidige, so hat die sozialdemokratische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen am ersten Tag des Kriegs erklärt, es sei „noch zu früh, um zu sagen“, ob die US-amerikanisch-israelischen Bombardements auf den Iran eine gute oder schlechte Sache seien. Jedenfalls unterstütze sie einen Regimewechsel in Teheran. Dänemark stimmte daraufhin im UN-Sicherheitsrat gemeinsam mit den USA, Großbritannien und Frankreich für eine Resolution, die Irans Vergeltungsangriffe auf Israel und die Golfstaaten verurteilte, aber kein Wort über den Vernichtungskrieg Washingtons und Tel Avivs gegen den Iran sagte.
Widerstand gegen imperialistischen Krieg und Plünderung kann nur von der internationalen Arbeiterklasse ausgehen. Arbeiterinnen und Arbeiter in Europa und den Vereinigten Staaten haben kein Interesse daran, die eine oder andere rivalisierende Partei bei der derzeit stattfindenden imperialistischen Neuaufteilung der Welt zu unterstützen. Auch wenn zwischen den Raubtieren von Zeit zu Zeit Differenzen aufbrechen, drehen sich diese stets um die Frage, wer die Verteilung der Beute imperialistischer Eroberungen kontrollieren wird. Alle imperialistischen Mächte Europas und Nordamerikas sind jedoch entschlossen, die brutalsten Formen der Gewalt einzusetzen, um ihre Interessen zu sichern.
Arbeiter in Dänemark und in ganz Europa benötigen das Programm der weltweiten sozialistischen Revolution und der politischen Unabhängigkeit von allen Fraktionen der herrschenden Klasse, um dem imperialistischen Krieg und dem kapitalistischen System, das ihn hervorbringt, ein Ende zu setzen. Die einzige politische Bewegung, die auf eine jahrzehntelange Kampfgeschichte zur Verteidigung dieser Prinzipien und gegen alle antitrotzkistischen Tendenzen wie z.B. die Pablisten zurückblickt, ist das Internationale Komitee der Vierten Internationale. Diese Bewegung müssen Arbeitende und junge Menschen, die gegen imperialistische Kriege und Barbarei kämpfen wollen, jetzt in Dänemark und auf der ganzen Welt aufbauen.
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