Perspektive

Über 1.000 Ebola-Fälle im Kongo: Der Imperialismus und der Zusammenbruch des öffentlichen Gesundheitswesens

Mitarbeiter des Roten Kreuzes beerdigen das sechs Monate alte Waisenmädchen Vanisa Anifa, das an Ebola gestorben ist. Bigo-Friedhof in Bunia, Kongo, 19. Juni 2026 [AP Photo/Moses Sawasawa]

Am 21. Juni, nur 37 Tage nach Ausrufung der Epidemie, wurde in der Demokratischen Republik Kongo (DRK) die düstere Marke von 1.000 Ebola-Fällen überschritten. Laut offiziellen Angaben gibt es nun 1.003 bestätigte Infektionen und 256 Todesfälle in der DR Kongo und im benachbarten Uganda. Das ist der schlimmste erste Monat eines Ebola-Ausbruchs in der Geschichte.

Das Nachrichtenportal Health Policy Watch berichtet, dass die aktuelle Epidemie nach vier Wochen dreimal so groß ist wie bei bisherigen Ausbrüchen. Zum Vergleich: Bei der verheerenden Epidemie in Westafrika von 2014 bis 2016 wurden nach vier Wochen nur 242 Fälle verzeichnet, beim Ausbruch in Uganda im Jahr 2000 waren es 281.

Die katastrophale Ausbreitung von Ebola ist keine Naturkatastrophe, sondern ein soziales Verbrechen. Die materiellen und wissenschaftlichen Mittel zur Eindämmung dieser Epidemie sind reichlich vorhanden, werden jedoch von den großen imperialistischen Mächten bewusst vorenthalten. Das Massensterben, das sich derzeit in Zentralafrika abspielt, ist ein klarer Beweis für gesellschaftlichen Mord im Kapitalismus, eine bewusste Klassenpolitik, die privaten Reichtum und imperialistische Kriege über menschliches Leben stellt.

Die steigende Fallzahl ist zum Teil darauf zurückzuführen, dass sehr viele Proben noch nicht ausgewertet worden waren und erst jetzt bearbeitet werden. Darauf hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) kürzlich hingewiesen. Dieser Rückstau zeigt, dass die grundlegenden Kapazitäten zur Erkennung von Ebola systematisch zerstört worden waren, so dass sich das Virus ungehindert ausbreiten konnte. Der Ausbruch wurde erst mit wochenlanger Verspätung bestätigt, da dem Personal an vorderster Front die Ausrüstung fehlte, um den Bundibugyo-Stamm von Ebola zu identifizieren.

Dieser Zusammenbruch der Gesundheitsversorgung ist Teil einer viel umfassenderen globalen Krise des öffentlichen Gesundheitssystems. Ebola veranschaulicht diese Entwicklung. Nach der Entdeckung des Virus 1976 wurden zwischen 1979 und 1994 keine Ausbrüche festgestellt. Seitdem häufen sich jedoch die Ausbrüche, wie die britische Health Security Agency angibt.

Allein im Kongo ist das Ebolafieber nun schon 17 Mal ausgebrochen. Aktuell befindet sich das Land in der zweiten Epidemie innerhalb von weniger als einem Jahr. In einer Studie von 2025, die in der Fachzeitschrift Scientific Reports erschien, wurden 3.752 Beschäftigte im Gesundheitssektor und Forscher in 151 Ländern befragt. Sie warnten vor einer „schleichenden Katastrophe“ aufgrund sich rasant ausbreitender Infektionskrankheiten, die vor allem durch den Klimawandel, sozioökonomische Ungleichheit und antibiotikaresistente Krankheitserreger angetrieben wird. Mehr als 60 Prozent der neu auftretenden Infektionskrankheiten sind zoonotisch, das heißt, sie werden von Tieren auf Menschen übertragen. Die rasante Urbanisierung Afrikas, Massenvertreibungen und die Abholzung der Wälder reißen die Barrieren zwischen menschlichen Populationen und tierischen Erregerreservoiren nieder.

Dies führt zu einem brutalen Paradox. Die Menschheit weiß mehr über die Biologie und die Übertragung dieser Krankheitserreger als jemals zuvor in der Geschichte, doch die kapitalistische herrschende Klasse unternimmt absichtlich immer weniger, um sie aufzuhalten. Die mörderische Corona-Doktrin der Durchseuchung, Aussagen wie „Sollen sich die Leichen auftürmen“ und „Das Heilmittel darf nicht schlimmer sein als die Krankheit“ wurden von einer Pandemie auf die gesamte globale Gesundheitsversorgung übertragen. Was sich derzeit in Zentralafrika abspielt, ist die Umsetzung dieser Doktrin.

Politiker weltweit behaupten, es gebe eine koordinierte internationale Anstrengung, die Epidemie einzudämmen. Doch das ist eine absichtliche Täuschung, wie die finanzielle Realität offenbart: Mehr als 910 Millionen Dollar wurden zugesagt, um den Ebola-Ausbruch zu bekämpfen, doch nicht einmal 90 Millionen Dollar – weniger als 10 Prozent – wurden tatsächlich bereitgestellt.

Die Afrikanische Union hat ihr Versprechen, die Mittel innerhalb von vier Wochen auszuzahlen, nicht erfüllt, sodass der gemeinsame Reaktionsplan für Afrika in Höhe von 518 Millionen Dollar faktisch nicht finanziell gedeckt ist. Die Gesundheitsbehörde Africa Centres for Disease Control and Prevention (Africa CDC) benötigt dringend 540 Mitarbeiter vor Ort, hat jedoch nur 84 entsandt. Der Generaldirektor des Africa CDC, Jean Kaseya, gab kürzlich bekannt, dass die finanziellen Versprechen nach unten „korrigiert“ wurden, während die Todeszahlen steigen. Die großen Mächte haben stillschweigend ihre Zusagen zurückzogen.

Ein wesentlicher Faktor ist die Zerschlagung der US-Behörde für internationale Entwicklung (USAID) durch die Trump-Regierung im Juli 2025. Der Ausschuss für Aufsicht und Regierungsreform des Repräsentantenhauses hat im Juni 2026 eine Analyse mit dem Titel „People Are Already Dying, and More Will Die“ (Menschen sterben bereits und weitere werden sterben) veröffentlicht. Darin steht, dass Trumps Dekret zur Auflösung der USAID-Behörde „bereits zu Hunderttausenden Todesfällen geführt hat und weltweit zum Tod von weiteren Millionen führen wird“. Sie bezieht sich auf eine Studie von Daniella Medeiros Cavalcanti und weiteren Wissenschaftlern in der Fachzeitschrift The Lancet, in der geschätzt wird, dass die plötzliche Auflösung der USAID bereits mehr als 600.000 vermeidbare Todesfälle verursacht hat.

Die Professorin Phuong Pham von der Harvard T.H. Chan School of Public Health schildert detailliert, was zerstört wurde. Während des Ebola-Ausbruchs 2018 in der DR Kongo koordinierte USAID eine groß angelegte Kontaktverfolgung, stärkte die Laborkapazitäten und ermöglichte Impfungen von mehr als 300.000 Menschen. Heute können lokale Labore nicht einmal mehr auf den Bundibugyo-Stamm von Ebola testen.

Vertreter der US-Behörden, die an diesem sozialen Verbrechen beteiligt waren, haben versucht, die Folgen ihrer Sparpolitik zu verschleiern. In der NewsNation-Sendung „Elizabeth Vargas Reports“ bestritt der amtierende Direktor der amerikanischen Gesundheitsbehörde, Centers for Disease Control and Prevention (CDC), Jay Bhattacharya, rundheraus, dass die Kürzungen der Entwicklungshilfe die weltweite Ebola-Bekämpfung beeinträchtigt hätten.

Bevor er die Leitung der CDC übernahm, war Bhattacharya einer der Hauptverfasser der Great-Barrington-Erklärung, eines wissenschaftsfeindlichen Manifests, in dem für eine ungehinderte Durchseuchung der Gesellschaft mit dem Coronavirus plädiert wurde. Derselbe Bhattacharya, der während der Corona-Pandemie pseudowissenschaftliche Rechtfertigungen für das Massensterben lieferte, leitet nun die Behörde, die dazu beigetragen hat, die internationalen Überwachungssysteme zu zerstören, die den Ebola-Ausbruch in Bundibugyo, einer Region in Uganda, frühzeitig hätten erkennen können. Dass Bhattacharya die Gefahr herunterspielt, ist kein Zeichen von Unwissenheit. Vielmehr handelt es sich um bewusste Vertuschung. Er spricht als offizieller Vertreter einer herrschenden Klasse, die nach einer Kosten-Nutzen-Rechnung zu dem Schluss gekommen ist, dass die Eindämmung von Krankheiten ihre Profite zu stark schmälern würde.

Es besteht ein krasser Widerspruch zwischen den erbärmlichen Summen, die für die Bekämpfung von Ebola bereitgestellt wurden, und der enormen Anhäufung von Reichtum durch die kapitalistische Oligarchie. Elon Musk wurde mit dem Börsengang von SpaceX zum ersten Billionär der Welt. Sein Vermögen stieg innerhalb weniger Tage um mehr als 500 Milliarden US-Dollar. Dieser Zugewinn entspricht dem Siebenfachen der gesamten jährlichen Wirtschaftsleistung der DR Kongo, einer Nation mit rund 106 Millionen Einwohnern, oder dem 25.000-Fachen der Summe, die die USA für die Ebola-Notfallhilfe bereitgestellt haben: 23 Millionen US-Dollar.

Ein Mensch im Kongo hat im Schnitt etwa 700 US-Dollar im Jahr zur Verfügung – weniger als 2 US-Dollar pro Tag. Dabei gehört das Land zu den rohstoffreichsten Regionen der Erde, mit großen Reserven an Kobalt und Coltan, die für die Herstellung von Handys und Batterien notwendig sind. Gleichzeitig haben die weltweiten Militärausgaben 2025 einen Rekordwert von 2,887 Billionen US-Dollar erreicht.

Um die Krise zu bewältigen, braucht es nicht eine weitere Runde von Zusagen, sondern konkrete Maßnahmen, die Epidemieexperten seit Jahrzehnten empfehlen, die aber heute durch die Zerschlagung von USAID und die Aushöhlung der WHO unmöglich gemacht werden.

Die erste Maßnahme ist dringend: die umfassende Bereitstellung von Nahrungsmitteln, sauberem Wasser, sanitären Einrichtungen, medizinischem Material und geschultem Personal für die betroffene Bevölkerung – und zwar in dem geforderten Umfang und nicht in den spärlichen Mengen, die bisher eingetroffen sind. Die epidemische Überwachung muss rasch zu Tests führen und Tests zu Isolierung und gesundheitlicher Versorgung. Alle Bemühungen müssen auf dem Vertrauen der Bevölkerung aufbauen, die allen Grund hat, den Behörden zu misstrauen.

Experten sind sich jedoch ebenso einig, dass es trotzdem zu einem Massensterben kommen wird, wenn man bei den Notfallmaßnahmen stehenbleibt. Wie Pham und andere betont haben, müssen über Jahre hinweg Kapazitäten aufgebaut und aufrechterhalten werden, um einen Ausbruch zu stoppen – funktionierende Labore, fest eingestelltes Gesundheitspersonal, ein Überwachungssystem, das auch zwischen Epidemien besteht, sowie das dafür notwendige Vertrauensverhältnis zur Bevölkerung. Es darf nicht erst improvisiert werden, wenn bereits Tote zu beklagen sind.

Es gibt keinen Impfstoff gegen den Bundibugyo-Stamm von Ebola, weil seine Entwicklung – wie bei jeder Krankheit der Armen – keinen Gewinn verspricht. Genau aus diesem Grund muss die Pharmaindustrie enteignet und als öffentliches Versorgungsunternehmen betrieben werden, damit Medikamente und Impfstoffe hergestellt werden, um die menschlichen Bedürfnisse zu befriedigen. Da Krankheitserreger keine Grenzen kennen, erfordert dies eine echte internationale Zusammenarbeit von Wissenschaftlern und Arbeitern, die Wissen und Ressourcen bündeln – über die nationalen und wirtschaftlichen Grenzen hinweg, die im Profitsystem herrschen.

Gerade weil diese Herausforderungen internationaler Natur sind, wissenschaftliche Lösungen erfordern und eine geplante Verteilung gewaltiger Ressourcen notwendig machen, statt sie dem Profitstreben zu überlassen, ist nur eine sozialistische Lösung wirklich tragfähig und umsetzbar. Die einzige gesellschaftliche Kraft, die das verwirklichen kann, ist die internationale Arbeiterklasse. Der kongolesische Bergarbeiter, die vertriebene Familie in Ituri und der entlassende Beschäftigte im US-Gesundheitswesen – sie alle stehen demselben System gegenüber.

Die lebensrettenden Ressourcen, die erforderlich sind, um diese Epidemie zu stoppen, sind in Hülle und Fülle vorhanden, doch sie sind in den Händen einiger weniger konzentriert und werden für Kriege ausgegeben. Dieser soziale Mord ist eine bewusste Klassenpolitik, die nur durch die politische Mobilisierung der internationalen Arbeiterklasse im Kampf für eine sozialistische Weltwirtschaft gestoppt werden kann.

Loading