Morenisten und Stalinisten bilden reaktionären Block in Venezuela: Der Verrat an der Arbeiterklasse geht weiter!

Der venezolanische stalinistische Führer Pedro Eusse bei einer Kundgebung am 28. Januar vor dem Gebäude der Volks-Ombudschaft in Caracas [Photo: aporrea.tvi]

Die politischen Entwicklungen in Venezuela stellen eine entscheidende strategische Erfahrung für die internationale Arbeiterklasse dar.

Washingtons militärische Invasion des Landes und die Entführung von Präsident Nicolás Maduro haben zweifellos die unverhohlene Kriminalität und Skrupellosigkeit des US-Kapitalismus und der von ihm beherrschten internationalen imperialistischen Ordnung offengelegt.

Doch was wohl noch deutlicher entlarvt wurde, ist die völlige Verkommenheit der lateinamerikanischen Bourgeoisie und die Behauptung ihrer „linken“ Repräsentanten, einen alternativen Weg zur Befreiung von Imperialismus und Kapitalismus gefunden zu haben.

Das Regime, das um die Jahrhundertwende von Hugo Chávez gegründet wurde, und das die Pseudolinken bis vor kurzem als Vorboten des „Sozialismus im 21. Jahrhundert“ feierten, entwickelt sich mit erstaunlicher Geschwindigkeit zu einem besonders krassen halbkolonialen Marionettenregime auf dem amerikanischen Kontinent.

Heute werden Maßnahmen zunichtegemacht, mit denen Venezuela seit über einem Jahrhundert die Souveränität über seine Bodenschätze behauptete und seine Politik absicherte. Das Land wird vollständig Washingtons imperialistischer Strategie unterworfen, und die Kontrolle über Venezuelas riesige Ölvorkommen wird US-Energiekonglomeraten ausgehändigt.

Die chavistische Regierung unter der Führung von „Übergangspräsidentin“ Delcy Rodríguez ist keineswegs das Hauptziel des US-Imperialismus, sie arbeitet eng mit Trump und seinem faschistischen Kabinett bei der Plünderung Venezuelas zusammen.

Die Geschichte hat bewiesen, dass der Chavismus nicht die versprochene „Befreiung Lateinamerikas von der Monroe-Doktrin“ ist, sondern der Geburtshelfer einer neokolonialen Ordnung, wie sie der US-Imperialismus angesichts der schwersten Krise seiner Geschichte verkündet hat.

Diese Ereignisse haben große Auswirkungen auf das Bewusstsein der Massen in Lateinamerika und der Welt und tragen zu einem anhaltenden Prozess der Radikalisierung und politischen Neuorientierung bei.

Die Organisationen der Pseudolinken, die direkt für die Katastrophe in Venezuela verantwortlich sind, versuchen jetzt verzweifelt, die Arbeiterklasse daran zu hindern, von der demoralisierten nationalistischen Bürokratie und ihrem Apparat zu brechen.

Um dieses reaktionäre Ziel zu erreichen, haben verschiedene pablistische und morenistische Tendenzen, die stalinistische Kommunistische Partei Venezuelas (PCV) und andere abweichlerische Strömungen des Chavismus einen korrupten politischen Block gebildet, um sich auf die „ernste Situation“ in Venezuela einzustellen.

Diese Organisationen sind entweder Teil der von den Stalinisten angeführten „Nationalen Versammlung zur Verteidigung der Rechte des Volkes“ oder unterstützen diese. In einer gemeinsamen Erklärung rufen sie zum Widerstand gegen die „militärische Aggression und imperialistische Offensive“ sowie die „neokoloniale Kollaboration der nationalen Regierung mit der Trump-Regierung“ auf und fordern „demokratische Freiheiten“.

Unter dem Deckmantel radikaler Phraseologie hat diese reaktionäre pseudolinke Koalition zum Ziel, Raum für diese Organisationen in dem neuen bürgerlichen Rahmen zu schaffen, der unter der imperialistischen Belagerung geschaffen wird. Während sie ihre Position als offizielle „linke Opposition“ rechtfertigen, besteht ihre zentrale Aufgabe darin, die Arbeiterklasse daran zu hindern, die historischen Lehren aus der Krise des Chavismus zu ziehen und ihre unabhängige politische Bewegung aufzubauen.

Die Behauptung des Blocks, er repräsentiere eine „Position der Klassenunabhängigkeit und Unabhängigkeit von allen anderen Faktoren unterdrückerischer Macht“, ist das zynischste Element der gesamten Initiative. Diese Behauptung ist so glaubwürdig wie Rodríguez‘ Aufrufe, „Washingtons Befehle in Bezug auf die Politik Venezuelas“ zu stoppen, während sie sich zwischendurch mit Vertretern der Trump-Regierung trifft, um die Plünderung des Landes zu organisieren.

Die Unterzeichner des Manifests behaupten zwar, sie stünden über jedem „Faktor unterdrückerischer Macht“, gehen aber nicht auf ihre eigenen politischen Hintergründe und Vergangenheit ein. Tatsächlich wird in dem fünfseitigen Dokument kein politisches Ereignis erwähnt, das vor dem 3. Januar 2026 stattfand. Stattdessen enthält es konjunkturelle Analysen und Forderungen nach Maßnahmen.

Jede historische Bestandsaufnahme würde die direkte Komplizenschaft dieser pseudolinken Organisationen an dem massiven Verrat an der venezolanischen Bevölkerung aufdecken.

Die Kommunistische Partei Venezuelas (PCV), der Hauptorganisator dieser pseudolinken Initiative, unterstützte 1998 die Wahl von Hugo Chávez und war mehr als 20 Jahre lang Teil der regierenden Chavista-Koalition. Erst im Jahr 2020 entzog sie der Maduro-Regierung ihre offizielle Unterstützung.

Die venezolanischen Stalinisten gründeten nach ihrem Austritt aus Maduros Wahlbündnis PSUV, dem Großen Patriotischen Pol, zusammen mit Parteien wie der „Heimat für Alle“ (PPT), die hohe Posten in der Chávez-Regierung innehatte, und der Gruppe Klassenkampf, die Alan Woods Revolutionary Communist International (RCI) angehörte, die Populäre Revolutionäre Alternative. Woods war ein besonders schamloser Befürworter der Chavisten. Weit entfernt von einer Ablehnung des chavistischen bürgerlich-nationalistischen Projekts, warf dieser Block der Maduro-Regierung vor, mit dem Chavismus zu brechen, und präsentierte sich als dessen wahrer Verteidiger.

Diese Kräfte, die bis vor kurzem Teil des bürgerlichen chavistischen Regimes waren, haben sich im aktuellen pseudolinken Block mit Vertretern verschiedener morenistischer Strömungen verbündet. Zu diesen Strömungen gehören Marea Socialista, die der Internationalen Sozialistischen Liga (LIS) angehört, die Liga der Arbeiter für Sozialismus (LTS), die zu der Strömung Permanente Revolution (CRP) gehört, und die Partei für Freiheit und Sozialismus (PSL), die mit der Internationalen Arbeitereinheit (UIT) verbunden ist.

Eine Arbeitsteilung bei der Unterordnung von Arbeitern unter den Chavismus

Diese morenistischen Organisationen unterscheiden sich von ihren stalinistischen und kleinbürgerlich-nationalistischen Verbündeten höchstens dadurch, dass sie in der Arbeitsteilung zur Unterordnung der Arbeiterklasse unter die chavistische Bürokratie eine noch zynischere Rolle gespielt haben.

Die CRP, vormals „Trotzkistische Fraktion“, hat sich seit langem der Aufgabe gewidmet, brüderliche Polemiken gegen ihre ehemaligen Genossen in anderen morenistischen Strömungen zu veröffentlichen. Sie verweist auf deren „Zickzackkurs ohne Anker in der festesten Klassenunabhängigkeit und dem Antiimperialismus“, während sie zwischen „Wahlaufrufen für Chávez“ und einer „Anpassung unter dem vermeintlichen Banner der ‚Demokratie‘, das die Rechten hochhielten und vom US-Imperialismus finanziert wurde, hin und her schwankte.

Die Tatsache, dass die CRP diesem Block jetzt beitritt und ihn auf der Website La Izquierda Diário propagiert, ist die klarste Anklage gegen diese hohle Kritik. In dem Moment, in dem sich diese verräterischen pseudolinken Organisationen in ihrer größten Krise befinden, lässt die CRP ihre Vorwände fallen und unterstützt sie, indem sie sich als Verteidiger der „Klassenunabhängigkeit“ ausgibt.

Doch der reaktionäre Charakter dieses pseudolinken Blocks lässt sich nicht durch den cleveren Einsatz großspuriger radikaler Phrasen verbergen.

In einem Manifest, das angeblich eine „unabhängige Klassenposition“ gegenüber der Krise in Venezuela vertritt, fällt auf, dass Worte wie „Kapitalismus“, „Sozialismus“, „Bourgeoisie“ oder „bürgerlich“ gänzlich fehlen. Das Wort „kapitalistisch“ kommt nur einmal vor, um auf die „pro-imperialistische“ Opposition unter der Führung von Maria Corina Machado zu verweisen.

Im angeblich kämpferischsten Abschnitt dieses Scheinmanifests heißt es unter der Überschrift „Aufruf zur Mobilisierung des venezolanischen Volks und zu internationaler Solidarität“:

Mehr als je zuvor besteht jetzt die dringende und unaufschiebbare Notwendigkeit, für die Einheit der Arbeiterklasse und des ausgebeuteten venezolanischen Volks im Hinblick auf ihre Klasseninteressen und für die Rettung der nationalen Souveränität zu arbeiten.

Die Organisation und Mobilisierung des Volks und der Arbeiterklasse ist von entscheidender Bedeutung, um die Vorherrschaft des Imperialismus zu überwinden, die uns aufgezwungen wird. Deshalb müssen wir die Möglichkeit zurückerlangen, Versammlungen abzuhalten und Räume zu fördern, in denen sich das venezolanische Volk, das eindeutig gegen Interventionismus ist, teilnehmen kann, in denen die Ereignisse diskutiert und eine Reihe von Forderungen vorgelegt werden, um die Krise der Bevölkerung und der Arbeiterklasse zu lösen.

Sie erwähnen zwar die „Klasseninteressen“ der venezolanischen Arbeiter, man sucht jedoch vergeblich nach einer konkreten Erklärung, worin diese Interessen eigentlich bestehen. Ebenso wenig wird erklärt, wie die „Krise des öffentlichen Sektors und der Arbeiterklasse“ gelöst werden kann.

Die Erklärung verwischt bewusst die widersprüchlichen Klasseninteressen in Venezuela und ruft zur „Rettung der nationalen Souveränität“ und zur „Überwindung der Vorherrschaft des Imperialismus“ auf. Damit will sie die Arbeiterklasse täuschen und ihre Unterordnung unter die nationale Bourgeoisie sicherstellen.

Keine der Forderungen des morenistisch-stalinistischen Blocks ist auf die Arbeiterklasse und die Entwicklung ihres politischen Bewusstseins und ihrer unabhängigen Organisation ausgerichtet. Sie richten all ihre Appelle an den bürgerlichen Staat selbst und stellen sich unzulässigerweise als Sprecher der venezolanischen Arbeiter dar.

Diese unverkennbar bürgerliche Orientierung wurde in einer Demonstration vor dem Gebäude der Ombudschaft in Caracas am 28. Januar anlässlich der Gründung des Blocks bekräftigt. Im Mittepunkt der Aktion stand die Übergabe eines „Dokuments an den Volks-Ombudsmann Alfredo Ruiz, um zu einer öffentlichen Stellungnahme zu der schwerwiegenden politischen, sozialen und Menschenrechtslage im Land aufzufordern“, wie die PCV berichtete.

Die Konzentration der Pseudolinken auf die Forderung nach „politischen Freiheiten“ an das Rodríguez-Regime deckt sich – nicht zufälligerweise – mit den Parolen der rechten Opposition.

Ein Punkt ihres berüchtigten Manifests besagt:

Die Gefangenen, die auf imperialistischen Druck hin freigelassen wurden, verdienen die Solidarität und Mobilisierung des Volks mit dem Ziel, diesen Prozess zu beschleunigen und allen aus dem Gefängnis Entlassenen volle Freiheit zu gewähren.

Der Aufruf der Pseudolinken zu einer „Mobilisierung des Volks und der Arbeiterklasse zur Überwindung der Vorherrschaft des Imperialismus“ entlarvt sich in der Praxis als nichts anderes als eine Einheitsfront mit der faschistischen Rechten, um einen „Übergangsprozess“ zu „beschleunigen“, der vom „imperialistischen Druck“ angetrieben wird!

Dieser beschämende politische Kurs steht in direkter Kontinuität mit der verbrecherischen Rolle, die diese pseudolinken Kräfte in der jüngeren Vergangenheit gespielt haben.

Nach den Präsidentschaftswahlen 2024 propagierten sowohl die Morenisten als auch die Stalinisten offen die reaktionäre Bewegung zum Sturz Maduros unter der Führung der proimperialistischen Opposition und unterstützten die Demonstrationen und ihre betrügerischen „demokratischen“ Banner.

Die Morenisten argumentierten, die „Volksversammlungen der Bürger“, die von der CIA-„Informantin“ Machado einberufen wurden, „sollten in dauerhafte Organe umgewandelt werden“. Mit anderen Worten, sie stellten fälschlicherweise die Strukturen, die von den USA unterstützte Faschisten organisiert hatten, als Keimzellen der „Volksmacht“ dar.

Jetzt, nachdem der Überfall der USA genau das Ergebnis hervorgebracht hat, das diese Politik begünstigte, versuchen diese Organisationen, sich als Gegner der imperialistischen Offensive und der neokolonialen Kollaboration des Rodríguez-Regimes darzustellen!

Die zentrale Lehre aus dieser katastrophalen Erfahrung mit dem Chavismus und anderen Formen von kleinbürgerlichem Nationalismus in Lateinamerika ist gerade die Notwendigkeit, eine revolutionäre Führung auf der Grundlage eines unnachgiebigen Kampfs für die politische Unabhängigkeit der Arbeiterklasse aufzubauen.

Die historische Rolle des Stalinismus, bei der er vom pablistischen Revisionismus und seinen Varianten wie dem Morenismus unterstützt wurde, bestand gerade darin, den Kampf der Arbeiterklasse für ihre politische Unabhängigkeit zu sabotieren. Diese revisionistischen Tendenzen stellten einen Versuch dar, den Trotzkismus in die nationalistische Perspektive des Stalinismus zu liquidieren und bürgerlichen Nationalismus und kleinbürgerliches Guerillatum als Ersatz für die bewusste und unabhängige Mobilisierung der Arbeiterklasse im Kampf für den Sozialismus zu propagieren.

Wie Trotzki 1937 schrieb: „Die jüngere Geschichte der bürgerlichen Gesellschaft ist voll von allen möglichen ‚Volksfronten‘, d. h. verschiedenartigsten politischen Kombinationen zum Betrug an den Werktätigen.“ Diese Tradition wurde im Verlauf des 20. Jahrhunderts tragischerweise fortgesetzt.

In Lateinamerika führte sie 1973 zu dem von den USA unterstützten Putsch in Chile. Den Weg dazu hatten die Verrätereien der Unidad Popular-Regierung bereitet, denen sich die Stalinisten anschlossen und die von Pablisten verteidigt wurden. Im Jahr 1976 ergriff in Argentinien ein ebenso brutales Militärregime die Macht, begünstigt durch die Unterordnung der Arbeiter unter den von Nahuel Moreno propagierten Peronismus.

Die „Rosa Flut“ des 21. Jahrhunderts war die jüngste und schwächste Erscheinungsform der Förderung von bürgerlichem Nationalismus und „Volksfrontbündnissen“ durch die pseudolinken Feinde der Arbeiterklasse.

Der gewaltsame Ausbruch des US-Imperialismus ist kein Symptom seiner Stärke, sondern seines historischen Niedergangs. Der Erhalt des globalen Kapitalismus lässt keine friedliche Umgestaltung der internationalen Ordnung zu, deshalb sind die Bedingungen für den Sturz des imperialistischen Systems als Ganzes objektiv gegeben.

Die Arbeiterklasse wird in die historische Arena gerufen, um die Krise der Menschheit zu lösen und eine internationale sozialistische Gesellschaft aufzubauen, die dem objektiven Charakter der globalisierten Wirtschaft und dem Potenzial der Technologie entspricht.

Arbeiter und Jugendliche in Venezuela und ganz Lateinamerika stehen vor der historischen Aufgabe, revolutionäre Parteien auf der Grundlage der strategischen Lehren aus diesen Erfahrungen aufzubauen. Dies erfordert den Aufbau von Sektionen des Internationalen Komitees der Vierten Internationale auf der Grundlage der unnachgiebigen Verteidigung der politischen Unabhängigkeit der Arbeiterklasse, der Theorie der permanenten Revolution und des Programms der internationalen sozialistischen Revolution.

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