Je länger der Angriffskrieg der USA und Israels gegen den Iran andauert, desto aggressiver gehen Konzerne und Regierungen gegen die Arbeiterklasse vor. Führende Vertreter der Wirtschaft kündigen bereits den Abbau von Hunderttausenden Arbeitsplätzen an. Gleichzeitig setzt die Bundesregierung unter Friedrich Merz (CDU) die Axt an den Sozialstaat – oder was davon noch übrig ist.
Der Krieg gegen den Iran ist keine isolierte Entwicklung, sondern Teil der fortschreitenden Eskalation im globalen Kampf um die Neuaufteilung der Welt zwischen den imperialistischen Mächten. Die Regierungen in den europäischen Zentren, allen voran in Berlin, reagieren darauf mit massiver Aufrüstung und der systematischen Vorbereitung auf eine direkte Beteiligung an gegenwärtigen und kommenden Kriegen. Ihr Ziel ist es, sich ihren Anteil an Märkten, Ressourcen und geopolitischem Einfluss zu sichern.
Die weltweiten Folgen dieser militärischen Eskalation verschärfen zugleich die wirtschaftlichen Widersprüche. Sinkende Profitraten und zunehmender Konkurrenzdruck treiben die Herrschenden dazu, die Lasten der Krise auf die Arbeiter abzuwälzen – besonders in der Industrie, wo Entlassungen, Rationalisierungen und Standortschließungen auf der Tagesordnung stehen.
Der Präsident des deutschen Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Udo Dinglreiter, erklärte am Dienstag im Handelsblatt, dass in der Metall- und Elektroindustrie in den kommenden Jahren 300.000 Arbeitsplätze gefährdet seien. Dabei seien schon „seit 2019 rund 300.000 Jobs abgebaut“ worden. Die Metall- und Elektroindustrie umfasst mit 3,8 Millionen Beschäftigten rund zwei Drittel der deutschen Industrie.
Zuvor hatte bereits die Spitzenorganisation der gewerblichen Wirtschaft, die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK), Alarm geschlagen, als sie die Ergebnisse ihrer „Frühsommer-Umfrage“ bekanntgab. Die DIHK, die die Interessen von mehr als 3 Millionen Unternehmen in Deutschland vertritt, beklagte ausdrücklich die Folgen des Irankriegs.
„Von den Erwartungen bis hin zu den Beschäftigungsplänen zeigen sämtliche Indikatoren nach unten“, berichtet die DIHK über ihre Konjunkturumfrage unter rund 23.000 Firmen. Kurz nach Kriegsbeginn sei es nicht nur zu Preissprüngen bei Öl, Gas und Benzin, sondern auch bei Baumaterialien und Kunststoffen gekommen. DIHK-Hauptgeschäftsführerin Helena Melnikov sagte: „Der Kostendruck zieht sich inzwischen durch nahezu alle Wirtschaftszweige. Viele Unternehmen können diese Belastung nicht mehr stemmen.“
„Wir stecken in einer Doppelkrise“, erklärte Melnikov. „Zu den Strukturproblemen in Deutschland kommen die wirtschaftlichen Folgen des Krieges im Nahen Osten hinzu.“ Was die Industrie-Vertreterin mit Strukturkrise meint, sind „hohe Arbeitskosten, Energiepreise, Steuern und Bürokratie“.
Die Antwort der Industrie ist klar: Sparen, sparen, sparen – und zwar auf dem Rücken der Arbeiterinnen und Arbeiter. Knapp ein Viertel der befragten Betriebe plant, seine Belegschaften zu verkleinern.
Das gilt besonders in der Auto- und Zulieferindustrie. Erst kürzlich hatte der Verband der Automobilindustrie (VDA) prognostiziert, dass bis 2035 weitere 125.000 Jobs vernichtet werden, nachdem die Autokonzerne in den letzten sieben Jahren bereits 100.000 abgebaut haben.
Unternehmen wie Bosch, ZF, Continental und Schaeffler haben umfangreiche Abbaumaßnahmen in Deutschland eingeleitet. Ganze Konzernbereiche werden zusammengeschrumpft, abgespalten oder zerschlagen. Nur die profitabelsten Bereiche bleiben übrig.
So hatte der Reifen- und Autozulieferer-Konzern Continental im September letzten Jahres seine Autozuliefer-Sparte abgestoßen und unter dem Namen Aumovio an die Börse gebracht. Auch die Industrie- und Kunststofftechnik-Sparte (ContiTech) soll noch abgespalten werden. Unter Continental bliebe dann nur noch die Reifenherstellung, die hochprofitabel ist. Aumovio hat hingegen angekündigt, weltweit mehr als 10.000 Stellen abzubauen und zehn von 55 Produktionsstätten zu schließen.
Laut einer Analyse der Beratung Berylls by Alixpartners sind bei der Mehrheit der 100 größten Autozulieferer der Welt Umsätze und Profitmargen geschrumpft. Die Arbeitsplatzvernichtung sei „in den nächsten Jahren nicht aufzuhalten“, sagt Jan Dannenberg von Alixpartners. „Die nächsten drei bis fünf Jahre werden bitter für die deutsche Zulieferindustrie,“ prognostiziert er.
Wirkliche Verluste machten dabei nur die wenigsten Konzerne, darunter ZF Friedrichshafen. Aber die schrumpfenden Profitmargen, laut Alixpartners von durchschnittlich 5,8 Prozent in 2024 auf 5,2 Prozent im letzten Jahr, reduzieren die Gewinne, d. h., die Milliardenbeträge, die über die Dividenden und Beteiligungen auf den Konten der Superreichen landen.
Diese haben im letzten Jahr in Deutschland ihren Reichtum gesteigert wie nie zuvor. Inzwischen gibt es in Deutschland mehr als 5000 Personen mit mehr als 100 Millionen Dollar Finanzvermögen, ein Jahr zuvor waren es noch gut ein Fünftel weniger. Diese Schwerreichen besitzen mehr als ein Viertel des gesamten deutschen Finanzvermögens von 12,4 Billionen Dollar. Gemeinsam mit weiteren rund 700.000 Multimillionären gehört ihnen sogar mehr als die Hälfte.
Doch das ist ihnen nicht genug, ihre Gier kennt keine Grenzen. So hat Bosch, der weltweit größte Zulieferkonzern, den Abbau von 22.000 Arbeitsplätzen angekündigt, und als Grund den Auftragsmangel und den Rückgang von Gewinnen und Rendite genannt.
Der Umsatz betrug letztes Jahr mit rund 91 Milliarden Euro aber noch etwas mehr als im Vorjahr. Dass der Gewinn um gut 45 Prozent zurückging – von 3,1 Milliarden Euro im Jahr 2024 auf 1,7 bis 1,8 Milliarden Euro in 2025, hängt mit dem Arbeitsplatzabbau zusammen. Rund 2,7 Milliarden Euro hat Bosch für Rückstellungen aufgewendet, um „Restrukturierungsmaßnahmen“ zu finanzieren. Das sind vor allem Abfindungen für die 22.000 Beschäftigten, die ihre Existenzgrundlage verlieren.
Mit anderen Worten: Hier werden Arbeitsplatzabbau, Lohnsenkungen und Arbeitshetze durchgesetzt, weil die Gewinne und Profitmargen durch die Kriegsentwicklung unter Druck geraten. Damit die Milliarden weiter in die Portfolios der Aktionäre und Eigentümer fließen, zahlen Hunderttausende von Arbeitern und ihre Familien mit ihren Arbeitsplätzen und ihrer sozialen Absicherung.
Die IGM-Bürokratie unterstützt diesen Kurs voll und ganz. In den Betrieben setzt ihr Apparat die Jobvernichtung, die Lohnsenkungen und schlechtere Arbeitsbedingungen durch. Auf politischer Ebene stützt sie die Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz (CDU) und dessen Kriegskurs. Gleichzeitig befürworten der IGM-Vorstand und ihre Betriebsratsfürsten die Umwandlung von Autowerken in Rüstungsschmieden.
Bei VW und Mercedes sind diese Vorbereitungen bereits weit fortgeschritten. VW-Chef Oliver Blume sagte, für das Werk in Osnabrück seien die Gespräche mit der Rüstungsindustrie „vielversprechend“. Man werde noch in diesem Jahr eine Entscheidung treffen. „Wenn wir dazu beitragen können, mit unserem Know-how und unseren Kapazitäten die Rüstung dort zu unterstützen, dann werden wir das machen.“ VW hat jetzt extra eine Stabstelle (Group Defense Office) für die künftige Rüstungsproduktion eingerichtet.
Mercedes-Benz führt derweil Verhandlungen mit dem Rüstungskonzern KNDS über die Übernahme des Werks in Ludwigsfelde bei Berlin. Mercedes-Chef Ole Källenius sagte: „Die Welt ist unberechenbarer geworden, und ich denke, es ist absolut klar, dass Europa sein Verteidigungsprofil stärken muss. Sollten wir dabei eine positive Rolle spielen können, wären wir dazu bereit.“
Wenn am 10. Juni vier Spitzenvertreter der Konzerne gemeinsam mit vier Funktionären von DGB und IG Metall im Kanzleramt mit Bundeskanzler Merz, CSU-Chef Markus Söder sowie den SPD-Ministern Lars Klingbeil (Finanzen) und Bärbel Bas (Arbeit und Soziales) zusammentreffen, geht es um die koordinierte Vorbereitung der nächsten Angriffswelle auf die Arbeiterklasse.
Gesamtmetall-Präsident Dinglreiter hat die Stoßrichtung bereits offen benannt und „echten Lösungswillen“ eingefordert – gemeint ist ein umfassendes Programm zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit auf Kosten der Beschäftigten. Dazu gehören massive Steuersenkungen für Konzerne, die weitere Entlastung bei Sozialabgaben, staatlich subventionierte Energiepreise für die Industrie sowie protektionistische Maßnahmen und Strafzölle gegen internationale Konkurrenten, insbesondere aus China.
Die Beschäftigten sollen mit dem Abbau von Arbeitsschutzrechten unter dem Vorwand des „Bürokratieabbaus“, mit der Verlängerung und Flexibilisierung der Arbeitszeiten sowie einer weiteren Intensivierung der Ausbeutung zahlen. Und die Mittel, die die Regierung den Konzernen durch Steuersenkungen und reduzierte Abgaben zuschiebt, ebenso wie die explodierenden Kosten für Aufrüstung und Krieg, sollen durch massive Einschnitte bei Sozialleistungen und Sozialversicherungen gegenfinanziert werden.
Arbeitsministerin Bärbel Bas hat mit ihrer „Kommission zur Sozialstaatsreform“ bereits den Auftakt für ein umfassendes Kürzungsprogramm geliefert; weitere Angriffe stehen bevor, wenn die Rentenkommission Ende Juni ihre Vorschläge präsentiert.
Damit verschmelzen Kriegsfinanzierung und Umverteilung von unten nach oben zu einer einheitlichen Offensive gegen die Arbeiterklasse. Die Profite der Konzerne und die Interessen der Aktionäre werden direkt auf Kosten von Renten, Gesundheitsversorgung, Bildung und sozialer Absicherung gesichert.
Der Widerstand dagegen kann nicht getrennt geführt werden. Die Verteidigung von Arbeitsplätzen, Löhnen und sozialen Rechten erfordert eine bewusste Opposition gegen Aufrüstung und Krieg – denn sie sind zwei Seiten derselben Politik.
Das ist nur möglich, wenn sich Arbeiter selbständig organisieren, in von der IG Metall unabhängigen Aktionskomitees, die den Widerstand gegen Arbeitsplatzabbau, Sozialkahlschlag und Krieg organisieren und sich dazu der Internationalen Arbeiterallianz der Aktionskomitees anschließen.
Kontaktiert uns dazu über WhatsApp unter der Telefonnummer +49 163 33 78 340, oder füllt das Formular unten aus.
