Socialist Equality Party (Großbritannien)
Historische und internationale Grundlagen der Socialist Equality Party (Großbritannien)

Die WRP bricht mit dem Internationalen Komitee

229. Healy reagierte auf die Intervention des Internationalen Komitees, indem er eine Spaltung der internationalen Bewegung herbeiführte. Das Treffen vom 25. Oktober 1985 wurde von der spanischen und der griechischen Sektion boykottiert, die beide erklärten, das Internationale Komitee habe keine Autorität außerhalb derer von Healy als „seinem historischen Gründer“. Ihre Erklärung bestätigte, dass das Internationale Komitee für Healy nur als Erfüllungsgehilfe für seine nationalen organisatorischen Interessen diente. Einen Tag später spaltete sich die pro-Healy-Minderheit ab.

230. Banda und Slaughter unterstützten anfänglich die Resolution des Internationalen Komitees zur Frage der Registrierung, und zwar als Teil ihrer eigenen fraktionellen Manöver gegen Healy. Aber gleich nach der Abspaltung der Healy-Fraktion begannen sie mit Macht, kleinbürgerliche Hysterie gegen das Internationale Komitee zu entfachen und erklärten, das einzige Problem in der Krise der WRP sei die Frage der „revolutionären Moral“.

In der Hoffnung, die Unkenntnis der Geschichte der trotzkistischen Bewegung innerhalb des Kaders ausnutzen zu können, argumentierten Banda und Slaughter, alle Sektionen des Internationalen Komitees seien „gleichermaßen degeneriert.“ Diese Position wurde benutzt, um eine Annäherung an die Pablisten und die Stalinisten zu rechtfertigen, was auf einem Treffen im Londoner Friends Meeting House am 26. November 1985 begann, wo Slaughter öffentlich die Untersuchung „Sicherheit und die Vierte Internationale“ und die Spaltung mit Pablo von 1953 anzweifelte und vor aller Augen dem führenden Stalinisten Monty Johnstone die Hand reichte.

231. Am 16. Dezember 1985 präsentierte die Internationale Kontrollkommission ihren Zwischenbericht. Er stellte fest, „dass die WRP einen historischen Verrat am IKVI und der internationalen Arbeiterklasse begangen hat. Dieser Verrat bestand in einer vollständigen Preisgabe der Theorie der permanenten Revolution, was zu prinzipienlosen Beziehungen mit Teilen der kolonialen Bourgeoisie mit dem Ziel, Geld zu erhalten, geführt hat.“

In der Resolution heißt es: „Der Hauptarchitekt dieser verräterischen Aktionen war G. Healy, unterstützt von A. Mitchell und V. Redgrave. Aber die politische Verantwortung für die nationalistische Degeneration, die diese Praktiken zuließ, liegt bei der gesamten Führung der WRP“. Weiter heißt es in der Resolution:

„Um seine Prinzipien und seine Integrität zu bewahren, suspendiert das IK die Mitgliedschaft der WRP als britische Sektion bis zu einem Sonderkongress des IKVI, der nach dem 8. Parteitag der WRP, spätestens am 1. März stattfinden wird.“[75]

232. Die Verabschiedung der Resolution war von entscheidender Bedeutung. Sie bekräftigte die Autorität des Internationalen Komitees über die nationalen Sektionen. Die Suspendierung der Mitgliedschaft unterstrich, dass es innerhalb des Internationalen Komitees keinen Platz für den durch die WRP-Führung geübten Verrat politischer Prinzipen gab und diese für ihr Handeln zur Rechenschaft gezogen würde.

Von den WRP-Delegierten bei dem Treffen stimmte nur Hyland zugunsten der Suspendierung der Mitgliedschaft der WRP. Ihr Zentralkomitee reagierte mit einer gehässigen Verurteilung der „unschuldigen Reinheit“ des Internationalen Komitees; das sei „offen gesagt ekelerregend“. Von da an unternahmen Banda und Slaughter alles, um einen Bruch herbeizuführen.

233. Am 26. Januar 1986 verabschiedete das Zentralkomitee der WRP zwei Resolutionen. Die erste erklärte, dass das IK „weder die Weltpartei, noch der Kern der Weltpartei“ sei und „nicht die politische Autorität einer internationalen Führung erheben kann. Ebenso können Sektionen nicht einer Disziplin unterworfen werden, die vom IK bestimmt wird.“ Eine zweite Resolution lehnte die Registrierung von WRP-Mitgliedern auf der Grundlage ihrer Anerkennung der politischen Autorität des Internationalen Komitees ab, die zuvor auf der Sonderkonferenz am 27. Oktober beschlossen worden war.

Der politische und praktische Inhalt dieser Resolutionen bestand darin, die Spaltung zu erklären. Ihre Absicht war es, den Prozess der Delegiertenauswahl für den achten Kongress zu manipulieren, der für den 8. Februar angesetzt war. Ein erheblicher Teil der Anhänger der Mehrheit des Zentralkomitees hatte sich geweigert, die Registrierungsformulare auszufüllen. Die Slaughter-Fraktion erkannte, dass sie ihre Mehrheit im Zentralkomitee verlieren würde, wenn die Wahl der Delegierten von Parteimitgliedern vorgenommen wurde, die den Kriterien des Sonderkongresses entsprachen. Sie ordnete an, die Registrierungsformulare zurückzuziehen und die Delegierten auf der Grundlage nicht bestätigter Mitgliederlisten zu wählen, die von den Ortsgruppen zur Verfügung gestellt wurden. Dies schloss Dutzende von Leuten ein, die – wenn überhaupt je – schon jahrelang nicht mehr Mitglieder der WRP waren.

234. Die politische Basis für die Spaltung war ein Dokument, das heimlich von Banda vorbereitet worden war und den Titel trug: „27 Gründe, warum das Internationale Komitee unverzüglich beerdigt und die Vierte Internationale aufgebaut werden sollte“. Das Dokument wurde am Vorabend des achten Kongresses als spezielle Ergänzung zur Ausgabe der Workers Press vom 7. Februar 1986 veröffentlicht, und zwar von seinem nicht gewählten „Herausgeber“ Dave Good – einem Stalinisten, der gleich nach der Spaltung in die Reihen der Kommunistischen Partei zurückkehrte.

235. Am folgenden Tag schloss die Führung der WRP die Mitglieder der WRP (I) von der Teilnahme am Kongress aus und rief die Polizei zu Hilfe, um ihren Entschluss durchzusetzen. 25 Polizeibeamte erschienen und geleiteten Slaughter zu dem angeblichen Kongress, wo seine Fraktion ihren Bruch mit dem Internationalen Komitee endgültig besiegelte. Die WRP (I) versammelte sich an einem anderen Ort, um den legitimen achten Kongress der britischen Sektion abzuhalten. Das Nationalkomitee der Young Socialists (YS) gab ein Mehrheitsvotum zur Unterstützung der WRP (I) ab und zollte dem Internationalen Komitee Beifall „für seine entscheidende Rolle in dem historischen Kampf zur Verteidigung und Entwicklung der Prinzipien des Trotzkismus“, der „von der Mehrheit der WRP – und YS-Mitglieder unterstützt worden war.“ Einen Monat später gründeten die WRP (I) und die YS die International Communist Party (ICP), die Vorgängerin der Socialist Equality Party.

236. Die erfolgreiche Zurückschlagung des liquidatorischen Angriffes auf das Internationale Komitee drückte eine Umkehr des Kräftegleichgewichts zwischen der trotzkistischen Bewegung und den verschiedenen Vertretern des pablistischen Revisionismus aus. Mehrere Jahrzehnte hindurch hatte die SLL den revolutionären Marxismus aus einer Position politischer Isolation heraus verteidigt, die durch die Vorherrschaft der stalinistischen, sozialdemokratischen und Gewerkschaftsapparate über die Arbeiterklasse geschaffen worden war.

Das pablistische Liquidatorentum, das aus diesen Bedingungen heraus erwuchs, hatte einen Großteil der Vierten Internationale zerstört. Obwohl die SLL einen prinzipienhaften Kampf gegen den Pablismus geführt hatte, der zu wichtigen Fortschritten geführt und die Unterstützung international Gleichgesonnener gewonnen hatte, gab sie schließlich dem Druck nach, der auf sie ausgeübt wurde.

237. Nach der Spaltung von 1986 gewann die trotzkistische Bewegung international zum ersten Mal die Oberhand. Der Kampf gegen die WRP ermöglichte es, so gründlich wie nie mit den politischen Konzepten abzurechnen, die den Pablismus kennzeichneten.

Sie bot die Möglichkeit, die zentrale Bedeutung des Internationalismus gegen alle Manifestationen des nationalen Opportunismus zu festigen – gegen die Trennung der politischen Arbeit nationaler Sektion und nationaler Praktiken, wie wichtig sie auch immer sein mögen, von der internationalen Perspektive, die durch das zentrale Ziel des Aufbaus der Vierten Internationale verkörpert wird.

238. Der entscheidende Charakter des Bruches fand seinen Ausdruck in den Schlüsseldokumenten, die daraus hervorgingen: Das IKVI verteidigt den Trotzkismus 1982 – 1986 und Wie die Workers Revolutionary Party den Trotzkismus verraten hat 1973 – 1985. Hinzugefügt werden muss Das Erbe, das wir verteidigen: Ein Beitrag zur Geschichte der Vierten Internationale. Von David North als polemische Antwort auf Bandas Angriff auf die Bilanz des Internationalen Komitees geschrieben, wurde dieses Werk zur Grundlage für die Rückbesinnung auf die strategischen Lehren der Nachkriegsgeschichte der trotzkistischen Bewegung.

239. Gewaltige objektive Veränderungen traten nach dem Sieg über die nationalen Opportunisten zutage. Die Krise innerhalb der WRP war schlussendlich eine Manifestation eines breiteren Prozesses, der alle traditionellen Organisationen der Arbeiterklasse ergriff, die durch fundamentale Veränderungen in den Strukturen des Weltkapitalismus in eine Krise geworfen worden waren.

Diejenigen, die sich vom Internationalen Komitee abspalteten, glaubten, dass sie dadurch die Jahre hinter sich lassen könnten, die Healy nun verächtlich als „weißeren als weißen Sozialismus von reinstem Wasser und geringster Anzahl“ bezeichnete. Sie hatten nun die Freiheit, die Beziehungen zu festigen, die sie mit der Labour – und Gewerkschaftsbürokratie in Großbritannien, den größeren zentristischen Gruppen und dem stalinistischen Apparat einzugehen begonnen hatten.

240. All diese großartigen Pläne führten jedoch zu nichts. In Wirklichkeit befanden sich die Bürokratien und ihre pablistischen Mitläufer in einem fortgeschrittenen Stadium politischen und organisatorischen Zerfalls. Statt große Erfolge zu erzielen, zersetzten sich die wetteifernden Fraktionen der WRP immer weiter. Healy beendete sein Dasein als offener Überläufer zur pablistischen Apologetik des Stalinismus und behauptete, Michail Gorbatschow führe eine politische Revolution in der Sowjetunion und die „Entstalinisierung“ der Bürokratie durch. In den letzten Jahren seines Lebens reiste er als Gast der Regierung in die Sowjetunion.

241. Banda streifte seine trotzkistische Vergangenheit schnell und gründlich ab und gab seiner Bewunderung für Stalin als proletarischem Bonaparte Ausdruck. Er wandelte sich zu einem unverblümten Advokaten des Nationalismus und arbeitete für die Kurdische Arbeiterpartei. Die meisten seiner Handvoll früherer Anhänger traten der Kommunistischen Partei bei. Unter ihnen waren einige, die während der Spaltung als stalinistische agents provocateurs gehandelt hatten.

242. Nach der Spaltung kündigte die Slaughter-WRP eine schnelle internationale Umgruppierung mit den Pablisten an. Aber Bemühungen mit diesem Ziel führten nur dazu, dass Slaughter wiederholt Teile seiner Partei an die Gruppen verlor, um deren Gunst er warb. 1991 wandte auch er sich vom Trotzkismus ab und schrieb:

„Marxisten, die jahrelang, manchmal ihr ganzes Leben, darum gekämpft haben, in Wort und Tat, die Lüge zu widerlegen, dass Stalin und die Stalinisten die Erben Lenins und des Bolschewismus seien, finden sich in einer Situation wieder, in der diese Fragen scheinbar bedeutungslos sind. (…) Wir sollten nicht einfach so vorgehen, als gäbe es einen ‚wirklichen‘ Marxismus, den wir immer gekannt und irgendwie erhalten haben, und ihn dem falschen Bewusstsein, dem Ergebnis von Jahren Stalinismus, entgegenstellen.“[76]

244. Die ICP ging als einzige lebensfähige Strömung aus der Spaltung hervor. Sie erzog fortgeschrittene Arbeiter und Jugendliche in ihren wichtigsten Lehren und erneuerte die politische Offensive gegen Labour und die Gewerkschaftsbürokratie, die von der WRP fallen gelassen worden war. Ihre Arbeit war von einer engen Zusammenarbeit mit den internationalen Gesinnungsgenossen geprägt, die es in der Geschichte der trotzkistischen Bewegung so noch nicht gegeben hatte.


[75]

ibid. S. 101

[76]

Vierte Internationale, Jg. 18, Nr. 1, Essen, 1992, S.55