Socialist Equality Party (Großbritannien)
Historische und internationale Grundlagen der Socialist Equality Party (Großbritannien)

Globalisierung und die Perspektive des Sozialismus

245. Auf seinem vierten Plenum im Juli 1987 präsentierte das Internationale Komitee die erste ernsthafte marxistische Einschätzung des Phänomens der Globalisierung, und der revolutionären Entwicklungen in der Computertechnologie. Sie betonte vor allem die „explosive Zunahme transnationaler Konzerne“, die eine „nie dagewesene Integration des Weltmarktes und der Internationalisierung der Produktion“ widerspiegele und zu der „absoluten und aktiven Vorherrschaft der Weltwirtschaft über alle nationalen Ökonomien“ geführt habe.

Das Internationale Komitee beharrte darauf, dass diese globale Integration der Produktion, weit davon entfernt, neue historische Aussichten für den Kapitalismus zu eröffnen, die grundlegenden Widersprüche zwischen Weltwirtschaft und kapitalistischem Nationalstaatssystem und zwischen gesellschaftlicher Produktion und privatem Eigentum in nie gekanntem Ausmaß verschärft habe. Der Verlust der wirtschaftlichen Vormachtstellung der USA, der sich in ihrer Wandlung vom größten Gläubiger der Welt in ihren größten Schuldner ausdrückte, spiegele den Zusammenbruch der gesamten Nachkriegsordnung wider, was wiederum zu einer Verschärfung inter-imperialistischer Antagonismen führe.

246. Das Internationale Komitee maß auch der gewaltigen Expansion des Proletariats in Asien, Afrika und Lateinamerika große Bedeutung bei, die als Ergebnis des internationalen Kapitalexportes zur Erzielung höherer Profite entstanden war. Die Globalisierung hatte die Reorganisierung der Arbeiterklasse auf der Grundlage eines internationalistischen und sozialistischen Programms zum einzig möglichen Mittel gemacht, mit dem das über nationale Grenzen hinaus organisierte Kapital bekämpft werden konnte. Sie hatte alle alten Organisationen der offiziellen Arbeiterbewegung in den Bankrott getrieben, die sich auf nationale Programme zur Regulierung des Klassenkampfes stützten.

247. Die Internationalen Perspektiven des IK von 1988, „Die kapitalistische Weltkrise und die Aufgaben der Vierten Internationale“ erklärten, dass die Veränderungen in der Form der kapitalistischen Produktion eine Veränderung in der Form des Klassenkampfes mit sich gebracht hätten:

„Es ist schon immer eine Grundaussage des Marxismus gewesen, dass der Klassenkampf nur der Form nach national, seinem Wesen nach aber international ist. Unter den gegebenen neuen Merkmalen der kapitalistischen Entwicklung muss jedoch auch die Form des Klassenkampfs einen internationalen Charakter annehmen. Selbst die elementarsten Kämpfe der Arbeiterklasse verlangen die Koordinierung ihrer Aktionen im internationalen Maßstab.

Es ist eine Grundtatsache des Wirtschaftslebens, dass die transnationalen Konzerne zur Herstellung eines Endprodukts die Arbeitskraft von Arbeitern in verschiedenen Ländern ausbeuten, und dass sie auf der Suche nach der höchsten Profitrate die Produktion zwischen ihren Werken in verschiedenen Ländern und auf verschiedenen Kontinenten verteilen und verlagern. (…) Durch die beispiellose internationale Mobilität des Kapitals sind so alle nationalistischen Programme für die Arbeiterbewegung der verschiedenen Länder hinfällig und durch und durch reaktionär geworden.“[77]

248. Diese Entwicklungen bildeten den objektiven Impuls für das Wachstum des Internationalen Komitees, das ihnen eine bewusste, programmatische und organisatorische Form gegeben hatte.

„Gerade der internationale Charakter des Proletariats, einer Klasse, die keinem kapitalistischen ‚Vaterland‘ Loyalität schuldet, macht es zur einzigen gesellschaftlichen Kraft, die die Zivilisation von den würgenden Fesseln des Nationalstaatssystems befreien kann. Aus diesem Grund kann kein Kampf gegen die herrschende Klasse in irgendeinem Land dauerhafte Fortschritte für die Arbeiterklasse erzielen und schon gar nicht ihre schlussendliche Emanzipation bewirken, wenn er sich nicht auf eine internationale Strategie gründet. Sie muss darauf abzielen, das Proletariat weltweit gegen das kapitalistische System zu mobilisieren.“[78]


[77]

Die kapitalistische Weltkrise und die Aufgaben der Vierten Internationale, Essen, 1988, S.7

[78]

David North, Report to the 13th'>

National Congress of the Workers League, Fourth International, Labor Publications, July-December 1988, S. 7-8 [aus dem Englischen]